4 Tage über Stock und Stein
Eine lange Wanderung braucht Vorbereitung: Was und wie viel nehmen wir zu essen mit? Wir gönnen uns Essenstechnisch einen kleinen Luxus und packen für den ersten Abend ein Stück Lachs ein, den wir vor der Abfahrt noch schnell braten. Haben wir auch nichts vergessen? Gaskocher, Schlafsack, Isomatte, 1 Satz Ersatzkleidung, Regenjacke und Regenhose; Die Liste scheint endlos.
Nachdem wir alles gepackt haben geht’ s endlich los. Von Arrowtown sind es etwa 100km bis zum Start des Tracks. Wir müssen um den ganzen See herumfahren und das letzte Drittel ist Schotterpiste. Auf dieser müssen wir auch noch eine Schafherde vorbei lassen, die uns entgegen kommt. So erreichen wir gegen 15:00 endlich die Mündung des Greenstone.
Die erste Etappe führt uns zunächst bis zum Zusammenfluss von Greenstone- und Caples-River. Hier wandern wir entlang des Caples-Rivers weiter über Kuh-Weiden, deren Bewohner uns nur kurz mustern und dann weiter Gras futtern. Nach einigen Stunden überqueren wir den Caples-River der an dieser Stelle eine tolle Schlucht gegraben hat. Kurz darauf erreichen wir die Lower Caples Hut und machen ein bisschen Pause. Nach der Pause treffen wir den Hut Warden der oberen Hütte auf dem Track. Er kontrolliert unsere Tickets und hätte beinahe alle Tickets entwertet, doch Nicole hat dagegen dann doch protestiert: Wir haben uns genug Tickets besorgt um jeden Abend an einer Hütte zelten zu können. Falls wir uns aber zum wild campen entscheiden,
das auf diesem Track erlaubt ist, hätten wir am Ende noch Back Country Tickets übrig für die nächste Tour. Nach einer weiteren guten Stunde Wanderung durch einen Feenwald gelangen wir endlich zur Upper Caples Hut. Hier schlagen wir schleunigst unser Zelt auf, denn die Sandflies sind an diesem Platz richtig unerträglich. Ausnahmsweise wird sogar im Zelt gekocht um nicht den lästigen Sandflies zum Opfer zu fallen.
Zweiter Tag: Wir verlassen als letzte die Hütte, alle anderen sind schon weg. Der Weg führt wieder durch märchenhaften Wald über Stock und Stein. Immer wieder müssen wir nach den orangenen Dreiecken Ausschau halten, die den Track markieren, denn der Weg ist manchmal nicht mehr als solcher vom restlichen Wald zu unterscheiden.
In der ersten Pause gibt es ein erstes Blasenpflaster für Nicole. Nachdem wir uns mit Müsliriegeln gestärkt haben wandern wir munter weiter leicht bergauf. Als sich das Wasser in Trinkflaschen geleert hat füllen wir diese kurzer Hand im Caples River wieder auf. Man lernt ja schließlich hinzu, und wir schleppen uns nicht mehr jeder mit 3 Liter Wasser ab wenn es hier überall trinkbares klares Bergwasser gibt! Der Weg zieht sich ewig und wird schließlich immer steiler und steiler. Aber oben sind wir immer noch nicht. Wandern kann man das inzwischen ach nicht mehr nennen: Die Stöcke habe ich weggesteckt, denn ich brauche die Hände um mich an den Wurzeln festzuhalten. Nachdem wir scheinbar endlos über Steine und Wurzeln bergauf geklettert sind erreichen wir endlich die Ebene des Harris Saddle.
Gemütlich geht es hier eine halbe Stunde durch Tussock Gräser, zum Großteil über “Boardwalks”. Der Weg ist hier also eine Art niedrige Holzbrücke über die fragilen und zum Teil sumpfigen Teile des Sattels. Nun steht uns noch der steile Abstieg zum Lake McKellar bevor. Es wird richtig steil und wir müssen bergab klettern. Wir kämpfen uns durch und erreichen schließlich erschöpft den See.
Beim Durchqueren der sumpfigen Wiesen holt Nicole sich auf den letzten Metern noch nasse Füße
. Aber das Wetter ist gut und wir finden einen schönen Platz am See, wo wir unser Zelt aufschlagen; wir haben beschlossen diese Nacht nicht an einer Hütte zu übernachten. Die berüchtigten Sandflies gibt’s natürlich auch hier, jedoch bei weitem nicht so zahlreich, wie am gestrigen Zeltplatz. Auf der Speisekarte stehen Nudeln mit Pesto und geriebenem Parmesan.
Am nächsten Morgen werden wir von strahlendem Sonnenschein geweckt und frühstücken fast allein am Ufer des Sees. Es gibt einfach zu viele Touristen hier: Ein anderes deutsches Pärchen hat sein Zelt gestern spät abends 50m von uns aufgeschlagen. Nach dem Frühstück tauschen wir die üblichen Fragen aus: “Wo kommt ihr her? Seit wann seid ihr hier? Was macht ihr nach dieser Wanderung?”.
Bald darauf sind packen wir unsere Sachen zusammen und marschieren los, erstes Ziel ist die Lake Harris Hut. Der weg ist schlängelt sich gemütlich durch den Wald und bald erreichen wir die Hütte. Kurze Klo-Pause und weiter geht es am Greenstone Fluss entlang, der hier aus dem See entspringt. Gegen die gestrige Kletterei erweist sich der Weg nun als recht gemütlich. Abwechselnd laufen wir durch Wald und über Weiden. Bei einer kleinen Pause auf einem Stein im Wald stärken wir uns mit einer Scheibe Brot, dazu gibt es für jeden ein Stück Salami und ein Stück vom Käse. Der Himmel ist uns auch heute wieder wohlgesonnen und wir überqueren nach Stunden endlich den Steele Creek mittels einer typisch neuseeländischen
Hängebrücke und suchen uns einen Platz zum Zelten. Nachdem das gestern Abend so gut geklappt hat, wollen wir heute wieder wild zelten. Wir finden bald einen Platz der uns Schutz gegen den inzwischen aufgefrischten Wind bietet. Also wieder Zelt aufbauen und Abend Essen kochen. Gesättigt genießen wir noch den Sonnenuntergang bevor wir uns in unsere Schlafsäcke verkrümeln. Die Nacht wird jedoch weniger geruhsam als gedacht: Unser Zeltplatz ist Teil eine Kuhweide: Kühe schlafen jedoch keinesfalls nachts, sie rupfen Gras und Kauen scheinbar die ganze Nacht. Warum muss das direkt neben unserem Zelt sein? Wie soll man da ein Auge zu machen..
Am nächsten Tag machen wir uns müde auf den Weg. Das Wetter bleibt uns auch heute wieder treu und wir werden tatsächlich nicht einmal richtig nass! Wir treffen die Leute vom See wieder und werden auf einen Kecks eingeladen. Da unsere Vorräte so gut wie aufgebraucht sind nehmen wir diesen sehr gerne an. Dem Fluss weiter folgend erreichen wir am Nachmittag wieder den Zusammenfluss von Greenstone und Caples River. Von hier sind es nur noch 40 Minuten bis zum Parkplatz. Das gibt nochmal ein wenig Energie und wir schaffen die letzte Etappe im Rekordtempo.
Fazit: Teilweise sehr anstrengende aber super schöne Wanderung entlang zweier Flusstäler und durch märchenhafte Wälder.
hehe, das nenne ich mal einen märchenwald! fehlt nur noch, dass plötzlich elfen und einhörner auftauchen 😉
Genau, ich hab gerüchteweise gehört, dass es tatsächlich Feenwesen hier geben soll.
😀 lol, das ist ja super lustig!